Tippen und Enter drücken.

Schluss mit der Selbstoptimierung – Die besten Tipps gegen das perfekte ICH

simone jacob - gegen den städnigen drang von selbstoptimierung

Simone, @simone_i_jacob

Was hast Du Dir an Silvester alles für das Neue Jahr vorgenommen? Lass mich raten… Weniger und gesünder essen, jeden Tag 30 Minuten joggen, endlich mit Yoga anfangen, Dich aktiv für eine gute Sache einsetzen, mehr Zeit mit Deiner Familie verbringen und dann solltest Du noch den Ratgeber zum Thema Karriere lesen und natürlich das Buch, wie man in 30 Tagen glücklich wird. Dazu ein paar berufliche Workshops um wettbewerbsfähig zu bleiben. Das klingt erst mal toll, und durchaus lobenswert. Was spricht gegen Ehrgeiz und die Entschlossenheit mit dem Ziel:

Ein besserer Mensch zu werden.

Praktisch ist es von da dann nur noch ein kleiner Schritt bis zur Erleuchtung. Ist doch so oder? Schließlich braucht man eine Belohnung für all’ die Mühen sich selbst zu optimieren. 

Ja, Selbstoptimierung das scheint das Schlagwort der Stunde zu sein.

Aber mal ganz ehrlich, für mich klingt die Suche nach dem tolleren ICH ganz schön anstrengend und nach einer direkten Anleitung zum Unglücklichsein. Wie schrecklich, wenn ich immer „noch besser funktionieren“ muss, nie gut genug bin, mich nie ziellos entspannen darf.

Die Sucht nach Selbstoptimierung bedeutet, dass ich mich ständig selbst überwachen, beurteilen, verurteilen, verbessern, optimieren muss. Damit mir das gelingt, kreise ich wie ein Geier über meinem Ego, immer gierig darauf wartend mich an meinen Schuldgefühlen zu laben, wenn etwas nicht gelingt. 24 Hours!

Aber wer schafft das schon? Vor allem wer will das? Im Prinzip müsste ich dazu weniger Mensch, mehr Maschine sein!

Ich gebe zu, ich bin selbst so ein Leistungstierchen. Lange dachte ich, ich müsse funktionieren um geliebt zu werden. Ich konnte nicht glauben, dass es Menschen gibt, die mich so lieben wie ich bin, mit all’ meinen Fehlern, Mängeln, Macken, Ecken und Kanten. Erst viele Jahre und einige Persönlichkeits-Seminare später erkannte ich, dass ich zuallererst – ohne wenn und aber – mich selbst lieben muss.

Das Älter werden hilft dabei. Mit der Geburt wächst man, im Alter vergeht man. Dies ist eine Zeit des Abschieds vom Perfektionswahn. Die Kräfte lassen nach, erst langsam, kaum merklich, dann immer stärker. Vieles gelingt nicht mehr so wie früher, die Hormone werden weniger, lassen die Haut erschlaffen und das Gedächtnis lässt nach.  Man kann sich jetzt natürlich einer Depression hingeben oder wütend dagegen ankämpfen, spritzen, schneiden, wie wild trainieren. Aber was hilft’s. Ist es am Ende nicht ein vergebliches Strampeln gegen die Zeit? Wir alle werden alt, außer wir sterben vorher. Und wer will das schon? Also wollen wir uns wirklich unsere Jahre verdunkeln, indem wir einem sinnlosen Optimierungswahn hinterher rennen.

Dazu gibt es dieses schöne Zitat von Reinhold Niebuhr (amerik. Theologe und Philosoph):

Gott, gib’ mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Reinhold Niebuhr

Danach zu leben – und dazu muss man nicht an Gott glauben – kann eine Menge Kummer ersparen. Denn oft führt der Selbstoptimierungs-Wahn in eine einzige Quälerei wider den gesunden Menschenverstand und endet oft in einer Sackgasse, manchmal sogar in einem Burnout.

Ich denke, das Einzige was hilft ist mehr Gelassenheit, und damit nimmt auch die Zufriedenheit zu. Und jetzt stelle Dir all’ die Zeit vor, die durch weniger Selbstoptimierung für Dich frei wird. Du kannst plötzlich Dinge tun und lassen, die Dich zwar nicht zu einem besseren, aber zufriedeneren, entspannteren Menschen machen.

Meine Anti-Selbstoptimierungs-Tipps

  • Den ganzen Tag in Schlabberklamotten im Bett faulenzen, essen und fernsehen.
  • The Kominsky Method mit Michael Douglas auf Netflix gucken. In ihr geht es ums Älter werden. Sehr unterhaltsam.
  • Eine ganze Tafel Schokolade essen – einfach so! Oder eine Tüte Chips, wenn Du der salzige Typ bist. Gesund ist Morgen wieder angesagt.
  • Einen Tag lang mal kein „Good Girl“ sein und keine sms und Mails beantworten. Du bist auch dann liebenswert. Du weißt ja, die guten Mädchen kommen in den Himmel, die Bösen überall hin.“
  • Statt joggen, shoppen gehen.
  • Keinen Yogakurs belegen, denn Yoga macht sowieso keinen besseren Menschen aus Dir.

Und keine Sorge, wenn Du dieses Anti-Optmierungsprogramm durchziehst, heißt das nicht, dass es ab jetzt für immer und ewig mit Deiner Disziplin vorbei ist und Du vom Leistungstierchen zur Couch-Potato mutierst. Nein, das heißt einfach nur, dass Du ein Lebens-Profi bist und weißt, wie echte Selbstoptimierung geht. Du bist so erfahren und gelassen, dass Du mal auf PAUSE und mal auf GAS drücken kannst. Ganz wie beim Autofahren. Da hast Du den Fuss ja auch nicht ständig auf dem Gas um zu beschleunigen und alles aus Dir heraus zu holen.

Sicher, Disziplin gehört dazu und Potential will gelebt werden. Es geht dabei nur um die Frage, WIE!  Manches erfüllt sich wie von selbst, wenn man es nicht verkrampft angeht. Leichtigkeit statt Schwere. Durch’s Leben tanzen, statt marschieren.  Sich einzugestehen, dass es unmöglich ist in allen Bereichen perfekt zu sein, ist äußerst hilfreich. Es wird immer einen geben, der besser, schöner, erfolgreicher, schlauer, schlanker ist. Wenn man erkennt, dass Anspruch und Realität wenig miteinander zu tun haben,  entlastet das und hebt den Selbstwert. Nicht Du bist falsch, sondern dein Anspruch an Dich.

Was für Anti-Selbstoptimierungs-Tipps fallen Dir noch ein?

Instagram: @simone_i_jacob