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Die mir am häufigsten gestellte Frage…

Simone Jacob: Die mir am häufigsten gestellte Frage...

Simone, @simone_i_jacob

Wie schaffst Du es nur so schlank zu bleiben?

Meine Antwort: Ich war nicht immer schlank! Aber auch nicht dick oder mollig. Früher war ich einfach nur runder als jetzt. Bei 1,76 brachte ich 68 Kilo auf die Waage. Eigentlich nicht wirklich viel, trotzdem fand ich mich immer zu dick. Verrückt, aber so war es eben. Mein Anspruch an meinen Körper war hart. Ich wollte einem bestimmten Schönheitsideal entsprechen, dachte, nur so sei ich begehrens- und liebenswert. Mein Hintern fand ich zu groß und breit, die Oberschenkel zu dick, den Bauch zu rund. die Arme zu unförmig. Welche Frau kennt nicht diese ständige, harte Selbstkritik?

Heute, mit 57 Jahren, habe ich mein Wunschgewicht von 60 Kilo. Damit bringe ich acht Kilo weniger auf die Rippen. Ideal für meine Arbeit als Model. Aber das Entscheidende ist:

Ich halte dieses Gewicht ohne mich zu kasteien.

Das hört sich wunderbar an und macht Dich vielleicht neidisch oder sogar wütend, aber warte damit, denn hinter meiner jetzigen Figur verbirgt sich eine Geschichte voller Leid, Frust und Enttäuschungen. Eine Geschichte, die ich wahrscheinlich mit vielen Frauen teile, die sich wie ich, ein Leben lang gegen ihren Körper stemmen, nur um einem bestimmten Idealbild zu entsprechen.

Hier mein Körperweg

Als junge Frau probierte ich jahrelang zahlreiche, nicht funktionierende Diäten aus. Ich kenne sie alle! Die Eier-, Ananas-,Trenn-, Iss die Hälfte-Diät oder tagelanges Fasten bis ich vor Hunger am liebsten dem Nächstbesten den Hamburger aus der Hand gerissen hätte.

Kurz: Diäten funktionierten bei mir nie.

Die Kalorienzählerei verdarb mir jeden Spaß am Essen. Den ganzen Tag kreiste mein Denken um die Aufteilung in gute und böse Nahrungmittel und wann und wie oft ich reinbeißen durfte.

Beim Essen hörte meine Freiheit auf.

Nie aß ich nach Lust und Hunger, stattdessen nach einem kranken, ungesunden Plan. Während ich frustriert an kalorienarmen Zeug knabberte, wie Karotten, Paprika, Salat, Äpfel, Knäckebrot, träumte ich von Vanillestrudel, Käsestulle, Auflauf. Und das Schlimmste, obwohl ich mich kasteite, nahm ich nicht ab, sondern zu.

95 Prozent der Menschen, die durch eine Diät Gewicht verlieren, nehmen alle verlorenen Kilos und meist noch mehr,  spätestens nach fünf Jahren wieder zu.

Heute wissen wir: Diäten funktionieren nicht. Können nicht funktionieren, denn unser Körper ist seit Urzeiten darauf programmiert zu überleben und das heißt in erster Linie essen. Er kämpft für jedes Kilo mehr, bis er den sogenannten Set-Point erreicht hat der für ihn vorgesehen ist. Schönheitsideale sind ihm dabei vollkommen egal, denn künstlich herbei geführte Diäten sind kein Bestandteil seines Überlebensprogramms.  Diäten treiben die Stresshormone hoch, führen zu Essstörungen und Body-Shaming, wenn man das Ideal nicht erreicht.

Viel zu lange hatte ich meinem Körper versagt, was er wirklich wollte und brauchte. Obwohl er täglich ohne meine Anleitung atmete, schlief, aufwachte, verdaute, Blut durch meine Adern pumpte, alle Organe perfekt mit Nährstoffen versorgte, Wunden heilte und all’ meine Bewegungen koordinierte, traute ich ihm nicht zu kluge Ess-Entscheidungen zu treffen. Ich entmündigte ihn und übernahm die Nahrungs-Kontrolle für ihn.

Nach Jahren des erfolglosen Ess- und Diät-Terrors hatte ich genug Frust für 100 Jahre angesammelt. Es war klar, es musste sich etwas ändern und so verliebte ich mich in die vollkommen verrückte Idee, endlich zu essen worauf ich Lust hatte. 

Essen worauf ich Lust hatte und bis ich satt war. Wow, einfach so! Dieser Gedanke kam einer Revolution gleich. Natürlich jaulte sofort der Kritiker in meinem Kopf auf und drohte mir ein fürchterlich, fettes Walross und unglücklich zu werden.

Doch es war mir egal. Ich war 27 Jahre alt und ich konnte nicht noch unglücklicher werden. Ich entschied mich meinem Körper zu vertrauen und auf ihn zu hören. Das war am Anfang nicht einfach, denn ich wusste nicht mehr, wie sich Hunger oder satt sein anfühlte. Ein beschämendes Luxusproblem, das Menschen in Entwicklungsländern sicher gerne hätten.  Ich musste erst wieder lernen intuitiv zu essen. Die amerikanische Autorin Evelyne Tribole – früher selbst ein Diätguru – hat sich intensiv mit diesem Thema beschäftigt. In ihrem Buch  „Intuitive Eating“ sagt sie Diäten den Kampf an und ermuntert Menschen wieder das Essen zu erlernen.

Die einzige Regel beim Intuitive Eating ist, keine Regeln, denn unser Körper weiß wann und was er braucht.

Mein Körper ist eine unglaubliche Maschine, die mich seit 57 Jahre durch mein Leben trägt. Das sind 20.805 Tage oder 1.248.300 Stunden oder 74.808.000 Minuten. Und da soll mein Körper nicht wissen, welche Energiezufuhr er braucht um zu funktionieren? Das ist ja lächerlich!

Wenn ich nun Lust darauf hatte gab es ein Eis und keinen Apfel als Ersatz. Denn wenn der Appetit nicht befriedigt wird, holt sich der Körper die Kalorien und Nährstoffe an einer anderen Stelle.

Simone Jacob erzählt wie sie schlank bleibt

Für diesen Weg brauchte ich Mut, denn mein Gewicht musste mir ab sofort egal sein. In erster Linie wollte ich endlich zu mir zu finden und mich mit mir – unabhängig von meinen Pfunden – wohl fühlen. Das fiel mir unendlich schwer, am Anfang meines Projektes, „Essen nach dem Lustprinzip“, nahm ich zu. Ich erlaubte mir alle Nahrungsmittel, die ich bisher in die Schublade „sehr böse“, verdonnert hatte. Zum ersten Mal in meinem Leben aß ich mich richtig satt an Gummibärchen, Chips und Co.. So satt, dass mir regelrecht die Lust an ihnen verging. Jetzt, da ich essen durfte was und wann immer ich wollte, blieb der Entzug und damit auch die Gier aus.

Das war die Wende. Ich hatte plötzlich genauso viel Lust auf einen knackigen Salat. Er war keine Strafe mehr, sondern eine genußvolle Entscheidung.

Und dann geschah das Wunder! Ich spürte wieder Hunger und satt sein und nahm stetig ab. Ohne zu darben, zu leiden und ohne Frust. Essen war Genuss ohne Reue und vertraute darauf, dass sich mein Körper holte was er brauchte. Manchmal einen Schweinebraten, ein andermal einen knackigen Apfel oder Gemüse.

Früher drehte sich mein ganzer Tag nur um die Vermeidung von bösem Essen  Ich bin froh, dass ich meine inneren Dämonen in die Wüste geschickt habe und dadurch ein riesiges Stück Freiheit und Lebensqualität gewonnen habe.

Instagram: @simone_i_jacob