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Goodbye dear friend

Goodbye dear friend

Simone, @simone_i_jacob

Auch Freundschaften haben ein Verfallsdatum und manchmal ist das gut so. Trotzdem tut es weh. Wie geht man mit dem Abschied von der besten Freundin um?

Julia war meine beste Freundin. 30 lange Jahre! Wir teilten alles miteinander. Sie wusste von meinen kleinen und großen Sorgen, kannte meine Zweifel und Unsicherheiten, beriet mich bei Krach mit meinem Mann und in allen Kinderphasen vom Baby Blues bis zur pubertierenden Göre. Und ich tat das Gleiche für sie. Ich glaube, nein, ich bin mir sicher, dass sie mehr über mich wusste als mein Mann. Bis zu meiner Scheidung. Langsam, kaum merklich, schlich sich eine Fremdheit zwischen uns ein.

Nach meiner Scheidung vor sechs Jahren, plagten mich Existenzängste. Damit lag ich Nachts allein im Bett, Ich wusste anfangs nicht, wie ich mich wirtschaftlich auf eigene Beine stellen konnte. Für mich begann ein täglicher Kampf mich neu zu sortieren und aufzustellen. Julia betonte immer wieder, dass sie mich verstehe, aber ganz ehrlich, das tat sie nicht. Sie war immer noch die behütete Frau eines sehr reichen Mannes, die nie arbeiten musste und auch nie arbeiten würde.

Letztlich ist es mit einer Scheidung wie mit dem Niesen, oder mal ganz frech, wie mit einem Orgasmus. Man weiß erst, wie es sich wirklich anfühlt, wenn man es selber erfahren hat. Oder nehmen wir zum Beispiel Kinder. Im Vorfeld ist man schlau und denkt: „Pah, Kinder kriegen, aufziehen und nebenbei arbeiten, das mache ich doch mit Links“. Wie alle Mütter wissen, ist das natürlich blanke Theorie. Die Praxis ist eine ganz andere. Kinder haben keinen Ausschalter, man ist 24 Stunden lang im Job und das täglich. Aber zurück zu meiner besten Freundin Julia.

In meiner neuen Single-Lebensphase hatten Julia und ich immer weniger gemeinsam, weniger zu teilen. Anfangs kämpfte ich noch um unsere Beziehung, aber es war ein vergeblicher Kampf. Unsere gegenseitigen Bemühungen wirkten immer verkrampfter und zeigten irgendwann klar auf, dass Freundschaften eben auch zu Ende gehen.

Letztes Jahr war es dann so weit. Julia und ich entschlossen uns getrennte Wege zu gehen. Zwei Abschieds-Mails. Das war’s! Ich habe gelitten wie ein Hund. Ich empfinde mich als extrem loyalen Menschen und es war für mich sehr schmerzhaft und traurig diese Freundschaft loszulassen.

Ja, es ist wunderschön, eine Freundin für’s Leben zu haben?! In einer Welt, in der nur der Wandel beständig ist, fühlt sich eine guter Freundin an, wie ein sicherer Hafen.

Im Idealfall ist es jemand, den man schon aus Kindertagen kennt, der einen so nimmt wie man ist, Fehler verzeiht und einen mit allen Ecken, Kanten und Schrullen liebt. Und selbst wenn einen das Leben in unterschiedliche Richtungen treibt, verliert man sich nie aus den Augen, bleibt sich im Herzen nah.  Das wäre meine Idealvorstellung.

Doch ich muss der Realität ins Auge sehen. Eine Freundin für’s Leben ist eine aussterbende Spezies. Ebenso wie die Ehe, bis dass der Tod Euch scheidet. Sie ist mehr Wunsch als Realität.

Jede zweite Ehe wird trotz bester Absichten geschieden und ich vermute mit Freundschaften ist es nicht anders.

Es scheint, als gehört „sich zu trennen“ zu unserem Leben dazu. Wenn das so ist – und alles spricht dafür – dann ist es Zeit, eine „Trennung“ von unserer negativen Bewertung zu lösen. „Trennung’ nicht mehr als Tragödie zu sehen.

Dann könnte es sogar eine Befreiung sein sich aus alten, unerfreulichen Bindungen zu lösen und stattdessen neue, bereichernde Beziehungen aufzubauen, die einem gut tun.

Denn mal ehrlich, eine Freundschaft, die in Kindertagen, während des Studiums oder als Mutter, noch gepasst hat, kann durch unterschiedliche Lebenswege komplett auseinander driften.

Das Leben ist ein ständiger Entwicklungsprozess und es ist eine Illusion zu glauben, dass wir immer gleich bleiben. Ausbildung, Beruf, Umzüge, Scheidung, Reisen, Interessen, Hobbies, Partner, Kinder, Bücher, neue Freunde, das alles sind Erfahrungen, die uns formen – jeden Tag. Und uns verändern. Ihr kennt sicher das Sprichwort:

Same, same but different!

Da wäre es schon fast ein Sechser im Lotto, wenn dieser allgegenwärtige Wandel keinen Einfluss auf die Beziehung zu unserer besten Freundin hätte. Insofern täten wir uns einen Gefallen, wenn wir Freundschaft nicht mit zu großen Erwartungen überfrachten.

Freundschaft ist meistens ein Geschenk auf Zeit.

Wenn das Ende einer Freundschaft da ist, dieser Moment der Wahrheit, den Du vielleicht schon länger gespürt, aber verdrängt hast, kann das sehr weh tun. Dieses auf „immer und ewig“, es wäre so schön gewesen. Zum Schmerz kommt sich das Gefühl des persönlichen Scheiterns hinzu. Warum hat man es nicht geschafft, wie konnte das passieren? Wo man sich doch so nah war.

Heute weiß ich und vor allem kann ich akzeptieren, dass das Ende einer Freundschaft – egal in welcher Form – ein Teil des Lebens ist. Ich nehme es nicht mehr persönlich. Eine nachträgliche, negative Beurteilung verstellt nur den Blick auf die guten Zeiten die man zusammen hatte.

Wir hatten unsere Zeit, jetzt ist sie um. Nichts können wir festhalten oder gar konservieren. Freunde sind – vielleicht bis auf wenige Ausnahmen – Lebensabschnitts-Gefährten.

Deshalb möchte ich mich bei jedem meiner Freunde für wunderbare, gemeinsame Zeiten bedanken. Denn das ist was bleibt. In meinem Herzen. Eine tiefe Verbundenheit und Dankbarkeit, auch oder gerade weil das Leben manchmal für einen entscheidet und Dir ins Ohr flüstert.

You must move on.

Für mich heißt das offen sein für Veränderung, für Neues und Loslassen von dem was nicht mehr sein will.

Instagram: @simone_i_jacob