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Ausmisten – mit der Wohnmobil-Strategie

Simone macht sich ans Ausmisten

Jede Krise hat neben der „down-“ auch eine „good side“. Yin und Yang.  Neben Schatten ist auch Licht. Und so birgt der weltweite Überfall des Coronavirus auch eine Chance in sich. Zum Beispiel viel Zeit zum Ausmisten!

Seit das Virus mein Leben dominiert, verbringe ich viel mehr Zeit zu Hause. Social Distancing eben. Zuhause bleiben ist die gesündeste Wahl. Und das Verrückte daran ist:

Ich finde es großartig!

Ich darf meine sozialen Verpflichtungen reduzieren. Nicht, dass ich meine Freunde nicht gerne sehe, aber im täglichen Arbeitsgetriebe war es mir oft zu viel. Auch viele geschäftliche Termine sind auf später verlegt oder finden per Videokonferenz statt. Erst jetzt, durch diese erzwungene Ruhe wird mir bewusst, dass mein Leben zu voll gepackt war mit Verabredungen und Verpflichtungen. Tagelang kann ich mich nun Zuhause einigeln und all’ die Dinge machen, für die ich normalerweise keine Zeit habe.

Ich pflege mich morgens ausführlich, rolle meine Fitnessmatte aus und mache mein kleines Bauch-Beine-Po Programm plus ein paar Stretching- und Yogaübungen. Ich frühstücke lange, lümmele auf der Couch, lese, schreibe und telefoniere nach Lust und Laune. Und  ganz wundersam, entwickele ich eine unbändige Lust, meinen Lebensraum auf Vordermann zu bringen.

Bei beschwingter Musik widme ich mich liebevoll verkalkten Wasserhähnen, putze meine Fenster blitzblank, stelle meine Möbel um, dekoriere neu und nehme mir schließlich das furchterregende Herzstück meiner Bude vor: meinen Kleiderschrank. Seit Jahren ist er der Hort unseeliger, vereinsamter, nie mehr getragener, aber vielleicht doch noch irgendwann nützlicher Kleidungsstücke.

Durch unseren übermäßigen Konsum machen wir Menschen der westlichen Welt uns selbst das Leben schwer. So viel Ballast mit dem wir unser Dasein verstopfen. All’ diese zusätzlichen Räume für Bücher, die keiner liest, Kleider und Schuhe, die niemand mehr trägt, Geschirr von dem keiner isst, Nippes, das in der Ecke verstaubt. Das zu erhalten kostet Zeit und Geld. Zusätzliche Räume, Schränke und Regale zum Aufbewahren sind nötig und all’ das muss auch noch abgestaubt, aufgeräumt, umgeräumt und schließlich für den nächsten Umzug in Kisten verpackt werden. Ausmisten ist angesagt!

Ich erinnere mich an meine Weltreise vor 25 Jahren. Meine Familie und ich waren mit dem Wohnmobil unterwegs. Da konnte  natürlich jeder nur das Wichtigste mitnehmen. Eben das, was man wirklich braucht und gerne trägt. Eine Schlüsselerfahrung für mich.

Man benötigt nicht viel – nur das Richtige!

Daraus entstand meine Wohnmobil-Strategie. Sie hilft mir immer, wenn ich mal wieder vom Ausmisten überfordert bin und völlig ratlos vor meinem überladenen Kleiderschrank stehe. Dann erinnere ich mich an unser Leben im Wohnmobil. Was würde ich mitnehmen? Was brauche und liebe ich wirklich?

Mutig zerre ich nun im Lockdown meine vielen textilen Kinder ans Tageslicht und trenne sie – wie Aschenbrödel – in die Guten und die Schlechten. Am Ende schaffe ich es nicht nur den einen Alibi-Pulli auszusortieren, der mein Gewissen beruhigen soll, sondern dieses Mal wird es ein regelrechter Kahlschlag. Ich möchte neuen Raum schaffen in meiner kleinen Welt, auf die ich die nächsten Tage oder vielleicht sogar Wochen durch Corona reduziert bin.

Wenn auch Du das Projekt Kleiderschrank ausmisten angehen willst, dann frage Dich genauso: „Welche Lieblingsstücke würde ich für einen wochenlangen Wohnmobil-Tripp einpacken?“ Mit dieser Auswahl liegst Du wahrscheinlich goldrichtig. Das ist dann Deine Kern-Garderobe für jeden Tag.

Natürlich darf Dein Kleiderschrank ein paar Teile mehr beherbergen als das Haus auf vier Rädern. Schließlich darfst und sollst Du mit Deinen optischen Möglichkeiten spielen. Glamouröse, verführerische oder verrückte Klamotten sind zwar nicht immer vernünftig, aber sie machen einfach Spaß.

Vergiss nur nicht, für jedes neue Teil, ein altes Teil auszusortieren.

Ein Kleidungsstück, das Du jahrelang keines Blickes gewürdigt hast, ist definitiv reif für die Kleidersammlung. Ich weiß, sich trennen tut weh, aber denke daran, wie toll Deine Kleider jetzt atmen können und wie überschaubar Dein Kleiderschrank ist. Keine Reizüberflutung mehr wenn Du in Deinen Schrank schaust, kein miefiger Geruch, keine zusammengepressten Klamotten und Regale, die sich unter der Textillast biegen. Endlich siehst Du wieder was Du hast. Nicht nur Deine Kleider, auch Du kannst wieder atmen. Herrlich, so fängt doch jeder Tag gut an.