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Mode – mein Seelen-Barometer

Simone Jacob : Mode - mein Seelen-Barometer

Simone, @simone_i_jacob
Foto: Roman Kuhn

Die ersten Wochen im Corona-Lock-Down habe ich zugegebenermaßen genossen. Zuhause sein, zur Ruhe kommen und den ganzen Tag im Schlabber-Look rumhängen. Ist ja egal, guckt ja eh’ keiner. Das war schön und herrlich entspannt, bis ich bei einem versehentlichen Blick in den Spiegel meinen Anblick zunehmend deprimierend fand. Ich fühlte mich wie meine Klamotte.

Der Wunsch schön auszusehen und sich schön zu kleiden, bedeutet eben mehr als nur „modisch“ sein zu wollen. Vielmehr geht es für mich darum, mich mit Mode auszudrücken, Haltung bewahren, auch mich wertzuschätzen. Und das jeden Tag auf’s Neue. Wer sich schön fühlt, strahlt Optimismus aus.

Ich wage mich sogar so weit vor zu behaupten, dass Mode ein Grundbedürfnis ist. Ob im alten Ägypten oder im entlegenen Eingeborenen-Dorf, Frauen liebten und lieben es sich zu schmücken. Egal ob mit Stoffen, Perlen, Pflanzen, Wurzeln, Häuten oder Fellen. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Darunter leidet auch mein Kleiderschrank. Ich gestehe, er ist zum Bersten voll und schreit förmlich nach Ausmisten (aber zu diesem Thema ein andermal ;-)).

Nur um mich zu b e k l e i d e n,  müsste ich die nächsten 20 Jahre nichts mehr kaufen. Aber bei Mode geht es eben um viel mehr. Mode macht glücklich! Innen und Außen. Gerade in schwierigen Zeiten!!! Mode ist daher alles andere als oberflächlich!!! 😉

Natürlich will ich nicht dazu aufrufen, blind neue Klamotten zu kaufen. Schon gar nicht sollten sie als Ersatzbefriedigung dienen um einen kurzen Glücks-Kick zu generieren. Vielmehr will ich dazu animieren, Kleidung bewusst zu kaufen. Was meine ich damit?

Bei meiner Love-Story mit Mode, geht es für mich um Farben und Formen. Es geht um das Improvisieren, Ausloten, Spielen und Experimentieren mit der eigenen Person.

Dieser Prozess macht Spaß. Wer bin ich heute, wer möchte ich sein, welche Farben, welches Outfit unterstützt mich darin?

Kleider sind wie eine zweite, non-verbale Sprache.

Noch bevor ich den Mund aufmache, ist die Art wie ich mich kleide ein Statement und sagt etwas über mich aus. Dagegen kann ich nichts machen. Mein erster Eindruck ist nun mal mein Äußeres.

Selbst wenn es mir egal ist, was ich trage, sagen meine Kleider etwas über mich aus. IMMER! Ob ich will oder nicht. Es ist schlicht unmöglich auf der textilen Ebene nicht zu kommunizieren.

Meine Kleidung ist das Barometer meines Seelenzustandes.

Bin ich gerade eher still, traurig, kommunikationsfreudig, streng, entspannt oder wild und abenteuerlustig? Meine Kleidung, meine Mode ist das Werkzeug, das mich stärkt und unterstützen kann meine Ziele an diesem Tag zu erreichen.

Wie ich das tue, ist immer meine Entscheidung und die hängt nicht unbedingt von meinem Geldbeutel ab. Ein schönes Kleid muss nicht teurer sein, als ein liebloser Fetzen. Dann doch lieber ein schönes Styling das meine Seele massiert, als ein Eischrank-Feeling. 

Meine Kleider und mein Stil sind letztlich die Erweiterung meines ICH. Durch sie drücke ich meine Persönlichkeit im Außen aus. Genauso wie ich mich durch den Raum in dem ich lebe, ausdrücke. Sitze ich abends an einem Glastisch unter einer Neonlampe oder an einem alten Eichentisch mit Blumen und einer Kerze?

Was Corona angeht – der Auslöser für diesen emotionalen Mode-Outburst – bin ich der Meinung, alles wird wieder gut! Früher oder später!

Corona ist nicht das Ende der Welt. Klar ist es schwierig, vor allem finanziell. Für die Einen weniger, für die Anderen mehr, aber ich werde mich nicht von meinen Sorgen und Ängsten aufsaugen lassen.

Und so ist die Mode eine dieser kleinen Lösungen, die mir Kraft, Freude, positive Ausstrahlung und Haltung verleihen.

Deshalb habe ich mir in den letzten Tagen ein paar wunderschöne, neue Teile gegönnt. Und die probiere ich jetzt rauf’ und runter, mit dem was mein Kleiderschrank hergibt. Es macht einfach Spaß kreativ aus dem Vollen zu schöpfen, mich endlich wieder zu schmücken und schön zu fühlen. Wenn ich mich mit mir wohl fühle, ist das auch für mein Umfeld gut.

Das wussten einer Legende nach auch die Münchner Schäftlarn-Tänzer. Während der Pestepidemie (1517) kleideten sie sich prachtvoll und farbenfroh und lockten die verzagten Menschen mit ihren Tänzen, aus ihren Häusern.

Tatsächlich hat die Menschheit Schlimmeres erlebt, als das Corona-Virus. Die Pest, zwei Weltkriege, Wirtschafts-Depressionen, Hungersnöte, Überschwemmungen, Inquisition usw.. Wir erholten uns von allen Krisen, kamen oft sogar gestärkt daraus hervor. Diese Resilienz ist wohl eine der Eigenschaften, die uns Menschen in der Erdgeschichte im Überleben so erfolgreich macht. Wir finden Lösungen, wir lernen aus Fehlern – nah gut nicht immer – aber meistens.

Morgen werde ich deshalb meine drei Freundinnen treffen. Unser Motto: Wir schmeißen uns in unsere Lieblings-Outfits und feiern das Leben bei einem Cappuccino und einem fetten Stück Kuchen. Natürlich alles auf Abstand.

Instagram: @simone_i_jacob