Ein schottischer Schäfer hat seinen Schäferstock locker geschwungen und zufällig einen Stein getroffen, welcher wiederum in ein Mauseloch flog.
Wissen Sie, welche Sportart durch diese „hole in one“-Legende angeblich geboren wurde? Genau: der Golfsport.

Mich würde ja brennend interessieren, ob der Schäfer das noch ein zweites und drittes Mal geschafft hat, dieses Mal allerdings bewusst und geplant. Denn als ich nun, zirka 15 Jahre nachdem ich zuletzt einen Golfschläger in der Hand gehalten habe, beim Schnupperkurs zum ersten Mal erneut auf der Driving-Range stehe, fällt mir schlagartig wieder ein, was mich an diesem Sport schon damals schier verrückt gemacht hat: Die große Herausforderung, dem Körper und Geist eine symbiotische Schwingung zu entlocken – und das koordiniert und konstant.

Golf-Schnupperkurs mit Blick auf die Alpen

Aber von vorne erzählt:

Bei schönstem Sonntagswetter fahren wir durchs beschauliche Deggenhausertal im Bodensee-Hinterland in Richtung „Höchsten“. Schon die Fahrt durch die sanfte Hügellandschaft hilft, einen Gang runter zu schalten und jeglichen Stress abzustreifen. Die immer noch gepuderzuckerten Alpengipfel, die blühenden Hochstämme und das Grillen der Zirpen bieten eine romantische Stimmung par Excellence. Kein Wunder, dass diese Region bei Touristen immer beliebter wird. Ist sie doch nicht so überlaufen wie die erste Bodenseereihe, die ohnehin in nur knapp 30 Autominuten erreichbar ist.

Pünktlich um 10.00 Uhr startet unser Schnupperkurs im Golfclub Rochushof in Unterhomberg. Da ich noch Schnupperin bin, habe ich vom 9-Loch-Platz nur das 1. Loch gesehen und kann somit nicht wirklich über den Platz und seine Qualität berichten. Was aber auf jedenfalls ansprechend ist, ist die Höhenlage mit Blick auf die Alpen. Und es herrscht eine entspannte, unverkrampfte Stimmung im und um das Clubhaus herum.

„Nicht schlagen, nur pendeln“

Unser Golf-Pro Gerhard König stattet meine acht Mitstreiter und mich zunächst mit einem kleinen Schläger-Starter-Set aus. Einem 7er-Eisen, einem Holz, einer Sand-Wedge und einem Putter. Er macht uns mit der richtigen Körperhaltung, der Pendelbewegung und natürlich mit der richtigen Griffhaltung vertraut. Als wir uns dann zuerst auf dem Putting-Green versuchen, ruft er uns immer wieder zu „Ihr müsst Eurer Gewicht auf den linken Fuß verlagern“, „Ihr dürft nicht schlagen, die Handgelenke bewegen sich nicht, Ihr dürft nur pendeln“. Puh, so viel Input auf einmal. Aber auf dem Putting-Green geht das ja noch alles. Als er uns dann allerdings Richtung Pitching-Area lotst, wird das Ganze schon anspruchsvoller, weil die Zielfahne schon eine ganze Ecke weiter entfernt steht. Es kommt mir dann doch noch zugute, dass ich bereits über etwas – wenn auch lange zurückliegende – Golferfahrung verfüge. Sein Hinweis, dass ich die Augen nicht zu früh vom Ball Richtung Ziel entfernen darf, war dann auch Gold wert. Sonst ist Verziehen nämlich vorprogrammiert. Und er wiederholte immer wieder „Der Schläger folgt dem Ziel“.
Und ich vergesse immer, meine rechte Ferse vom Boden abzuheben. Die ist bei mir wie betoniert, was man auf den Fotos auch klar erkennt. Und damit wird die Rotation unrund. Und das ausgerechnet bei mir, der Runden.

Beim Golf werden 130 Muskeln beansprucht

Das Verrückte am Golfen ist ja, dass der Schwung sich „trocken“, also ohne Ball,  irgendwie immer richtig anfühlt. Aber sobald es um die Wurst geht, spielt der Kopf einem ein Schnäppchen. Wenn man zu viel will, dann verkrampft man und schon war´s das mit dem lockeren Schwung und der vollendeten Rotation. Zumindest fühlt sich das für mich mit Handicap 54 Plus heute noch so an. Sie, die Sie womöglich Handicap 54 Minus haben, können das bestimmt nur belächeln.

Die Aussage unseres Golf-Pro`s, dass man ab der Platzreife nahezu 1 Jahr unter dem Status „Anfänger“ spielt und es viele Jahre dauern kann, bis der Körper und Geist im Einklang schwingen und der Ball auch dort landet, wo man ihn gerne haben möchte, beruhigt mich. Was also häufig von außen als Möchtegern-Sport belächelt wird, ist in Wahrheit überaus anspruchsvoll und dazu auch ganz schön sportlich.

Es werden nämlich immerhin 130 Muskeln im Körper angesprochen und man läuft mindestens 5 km, bückt sich, streckt sich, rotiert. Und das in schönster Landschaft. Und ich kenne keine körperliche Betätigung, die mich so sehr abschalten lässt wie Golf. Wenn die Alltagssorgen mit auf den Platz gehen, dann klappt´s ganz bestimmt nicht.

Meinem heutigen Muskelkater nach zu urteilen, sind es alle Muskeln im Körper, die angesprochen werden. Oh mein Gott, wie bin ich doch ungelenk. Das muss sich ändern. Mit Discofox-Tanzkurs und Golf versuche ich jetzt, den Phlegma-Hunden in mir Herr bzw. Frau zu werden. Was mich zunächst noch irritiert hat, war die breitbeinige Stellung. Egal ob am Abschlag oder auf der Driving-Range; man liefert sich und seinen Bobbes quasi aus. Ich habe dann beschlossen, das zu ignorieren. Denn schließlich geht es erstens Allen gleich und zweitens ist jeder so mit sich beschäftigt, dass keine Zeit für solche dummen Animositäten bleibt.

Ach ja, und um auch schön locker in die Knie gehen und voll durch schwingen zu können, ist es natürlich enorm wichtig, die richtige Kleidung zu tragen. Da ich ja noch Schnupperin bin, verfüge ich noch nicht über eine Profi-Ausstattung. Aber meine Kleiderwahl erweist sich als goldrichtig.

Die 7/8 Hose von Peter Hahn macht dank des 2%igen Elasthan-Anteils alle Bewegungen mit und lässt sich auch zur Capri-Hose schoppen. Die Hosentaschen sind groß genug, um ausreichend Golfbälle und Tees zu beherbergen. Die Fleecejacke von Schöffel ist kuschelig weich und mögelig. Ich möchte sie nicht missen und sie wird mich auf jeden Fall auch nach Schweden in meinen Sommer-Urlaub begleiten. Für sportliche Betätigungen ist sie wie gemacht.

Die Belohnung nach dem Sport: Erdbeerkuchen mit Sahne

Nachdem wir dann natürlich auch noch in das hohe Geheimnis  von Eisen und Holz eingewiesen und bis zur Erschöpfung Bälle geschlagen haben, durften wir auch noch eine kleine Runde auf dem Übungsplatz absolvieren. Immerhin habe ich 2 der 3 Löcher mit „nur 2 Schlägen über Par“ hinbekommen. Das hat mich natürlich inspiriert, weiter zu machen. Mal schauen, wann es dann mit der erneuten Platzreife klappt…

Ich habe mich heute schon ertappt, wie ich bei jeder Gelegenheit und trotz des fiesen Muskelkaters den Schwung geübt habe. Hubert hat mir dasselbe berichtet. Ich glaube, das ist der große Zauber, der von diesem Sport ausgeht: Das Gefühl, ihn nie wirklich zu beherrschen und der Ansporn, dies zu ändern. Vielleicht hilft Golf-Pro Königs Hinweis: „Das große Geheimnis ist es, den Abstand zwischen Kinn und Händen stets unverändert zu lassen“. Spannend finde ich die Frage, wie ich das ohne Spiegel einschätzen soll.

Nach so viel körperlicher wie geistiger Anstrengung müssen wir uns erst mal mit einem leckeren Erdbeerkuchen mit viel Sahne belohnen. Einem Tipp meiner Cousine Karin zufolge gibt es im Landgasthof zum Adler in Wittenhofen den besten hausgemachten Kuchen. Und ich muss sagen: Sie hat Recht!

Haben Sie auch noch gute Tipps für ein Greenhorn wir mich? Dann freue ich mich sehr über Ihren Beitrag!