Auf dem Weg zur sauberen Viskose
©Björn Forenius/iStock/Getty Images Plus

Bei nachhaltiger und  ökologischer Mode denken wir oft an Materialien wie Leinen oder Bio-Baumwolle. Vergessen wird dabei allerdings oft die Viskosefaser, die ihren Ursprung ebenfalls in der Natur findet und in puncto Nachhaltigkeit durchaus mit ihren Verwandten mithalten kann.

Ähnlich wie Baumwolle oder Leinen findet Viskose ihren Ursprung in der Pflanzenwelt, um genau zu sein im Holz von Bäumen. Die im Holz enthaltene Cellulose-Faser wird in einem mehrstufigen chemischen Verfahren unter Einsatz von Schwefelverbindungen und Natronlauge herausgelöst und zur fertigen Viskose weiterverarbeitet.

 

Produktion von Viskose

Bei der Produktion gilt es jedoch einige Kriterien genauer zu betrachten um die Faser im Hinblick auf Nachhaltigkeit bewerten zu können.

Ein entscheidender Knackpunkt ist beispielsweise die Herkunft des Holzes: teilweise werden geschützte Regenwälder oder andere bedrohte Baumbestände illegal abgeschlagen. Um diesem umweltschädlichen Verhalten entgegen zu wirken verpflichten wir unsere Eigenmarken-Lieferanten zukünftig nur noch Viskose zu verarbeiten, die aus nachhaltiger Forstwirtschaft gewonnen wurde. Anerkannte Siegel wie FSC (Forest Stewardship Council) oder PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) helfen uns dabei die Herkunft der Ware zurückzuverfolgen.

Ein weiteres ökologisch wichtiges Kriterium bei der Viskoseherstellung zeigt sich erst nach der eigentlichen Faserproduktion: oftmals werden die umweltschädlichen Abwasser und Abgase frei in die Umgebung abgegeben. Die Folge sind verschmutzte Gewässer, Berge von Produktionsabfall und unreine Luft.

Um dieses Risiko in der Produktion erfolgreich zu umgehen konzentrieren wir uns gezielt auf den Einsatz von Viskose der Firma Lenzing. Das österreichische Unternehmen greift auf langjährige Erfahrung zurück und beschäftigt sich viel mit den Auswirkungen auf die Umwelt. Durch geschlossene Produktionskreisläufe minimiert die Firma gezielt Abwasser- und Emissionsbelastungen. Außerdem landen die bei der Viskose-Produktion entstehenden Nebenprodukte nicht im Müll, sondern werden wiedergewonnen. So kann Lenzing beispielsweise das Nebenprodukt Natriumsulfat noch für andere Industriezweige zur Verfügung stellen (z.B. für die Waschmittel- und Lebensmittelindustrie).

Standort der Lenzing AG | ©Lenzing AG, Bavaria Luftbild Verlags GmbH

Besonders gerne setzen wir die spezielle Viskosefaser LENZING™ ECOVERO™ von Lenzing ein, die sogar mit dem EU-Ecolabel ausgezeichnet wurde. Diese Auszeichnung wird nur an Produkte mit signifikant geringerer Umweltbelastung als vergleichbare Produkte im Markt (herkömmliche Viskosefasern) vergeben. LENZING™ ECOVERO™ Fasern verursachen während der Produktion bis zu 50% weniger Emissionen und Wasserbelastung und können selbst im fertigen Kleidungsstück zurückverfolgt werden.

Jersey-Kleid von PETER HAHN, Art.-Nr. 126790
Jersey-Kleid von MYBC, Art.-Nr. 126865

 

Lenzing hat noch mehr zu bieten

Neben LENZING™ ECOVERO™ versorgt uns Lenzing noch mit einer weiteren Cellulosefaser: TENCEL™. Unter diesen Markennamen fallen sowohl Produkte aus Lyocell als auch aus Modal.Beide sind gleich durch ihren weichen Griff und die hohe Atmungsaktivität zu erkennen.

Die nachhaltige Faser TENCEL™ Lyocell wird nach einem speziellen Verfahren hergestellt. Wie bei Viskose wird dabei der Rohstoff Holz verarbeitet. Die darin enthaltene Cellulose wird herausgelöst und zu einer Faser verarbeitet. Das geschieht aufgrund eines geschlossenen Produktionskreislaufes besonders umweltfreundlich.

V-Shirt mit 1/1-Arm von DAY.LIKE, Art.-Nr. 926543

Mit dem von Lenzing entwickelten Verfahren wird das verwendete Lösungsmittel in einem geschlossenen Kreislauf zu mehr als 99 Prozent zurückgewonnen und dem Produktionsprozess immer wieder zugeführt. Dasselbe gilt für das Prozesswasser, das ebenfalls in einem geschlossenen System immer wiederverwendet wird.

TENCEL™ Modal wird am Spezialitätenstandort Lenzing in Österreich aus dem natürlichen Rohstoff Buche in einem einzigartigen Prozess hergestellt.

Die Faser wird in einem symbiotischen Produktionsprozess hergestellt, das heißt, das Rohmaterial (Zellstoff) wird am gleichen Standort hergestellt wie die Modalfaser selbst. Dadurch kann energie- und ressourcenschonend produziert werden.

Stapelfaser

Stapelfaser | ©Lenzing AG, Markus Renner / Electric Arts

 

Ein Unternehmen mit langer Erfahrung

Um ein so großes Produktportfolio an nachhaltigen Fasern bereitstellen zu können benötigt es natürlich eine Menge Erfahrung und Know-How. Die Traditionsfirma Lenzing kann damit gut dienen: am Firmensitz im österreichischen Lenzing beschäftigt man sich schon vor dem zweiten Weltkrieg mit der Verarbeitung von Holz (damals noch zu Papier).

Die Produktion von Viskosefasern startete jedoch erst im Jahr 1938 mit der Gründung der „Zellwolle Lenzing AG“. Das Thema Umweltstandards wurde dann erstmals 1975 mit der Gründung einer betriebseigenen Umweltschutzabteilung aufgegriffen um die künftige Bedeutung von Nachhaltigkeit im Unternehmen zu etablieren. Das international tätige Unternehmen hat mittlerweile auch zahlreiche Standorte in Asien und Nordamerika und wurde im Hinblick auf die Bezugsquellen des verwendeten Rohstoffes Holz schon mehrmals ausgezeichnet: erneut gewann die Firma den ersten Platz unter den 31 wichtigsten Produzenten von holzbasierten Fasern weltweit. Das ergab die Bewertung der kanadischen NGO Canopy in ihrem „Hot Button Report“ (mehr Informationen hier).

 

Peter Hahn und Lenzing auf einem gemeinsamen Weg

Lenzing ist für uns mehr als ein Faserlieferant – wir bauen auf vertrauensvolle Zusammenarbeit und stehen seit Jahren im Austausch miteinander. Außerdem arbeiten wir auch gemeinsam an weiteren Einsatzmöglichkeiten der Lenzing Fasern, z.B. für Shopping-Bags in unseren Filialen.

Firma Lenzing zu Gast bei PETER HAHN in Winterbach, 2018

Es kostet uns viel Zeit und Mühe alle Lieferanten mit auf unseren Weg zur sauberen Viskose zunehmen und oft müssen wir gestiegene Materialpreise akzeptieren. Dennoch ist  es unserer Meinung nach der richtige Weg und wir gehen ihn gerne für unsere Umwelt.