Woher kommt eigentlich unser Kaschmir…

Kaschmir – für mich als langjährige Einkäuferin bei PETER HAHN steckt hinter diesem Wort weitaus mehr als nur ein Naturmaterial. Mich verbindet mit Kaschmir eine Leidenschaft, die vor allem darauf beruht, dass ich mich seit vielen Jahren intensiv mit der Gewinnung des Edelhaares und der Produktion der wunderschönen Kleidungsstücke intensiv beschäftige. Kaschmir steht für mich für Wohlfühlen und Luxus, für Zärtlichkeit  und Seele schmeicheln.

Ich will sichergehen, dass das fertige Produkt  Ihr Vertrauen und Ihre Wertschätzung erfährt und den Qualitätsansprüchen unseres Hauses entspricht. Aus diesem Grund begleite und kontrolliere ich regelmäßig den gesamten Gewinnungs- und Verarbeitungsprozess.

Hierbei kommt es mir besonders auf Gewissenhaftigkeit und Nachhaltigkeit an. Ich reise mehrmals im Jahr nach China, vor allen Dingen um unsere Produktionsstätten zu besuchen und mit den Menschen vor Ort an unseren Modellen zu arbeiten. Diese Besuche zahlen auch auf die Nachhaltigkeit ein, zum Beispiel die  Einhaltung der sozialen Standards, für unser Unternehmen ein absolutes Muss. Das ist nicht unbedingt ein Selbstläufer, hier muss man dranbleiben.

Uns ist die Nähe zu allen Mitarbeitern sehr wichtig

Durch die vielen Besuche haben sich sehr vertrauensvolle Beziehungen entwickelt, und wir konnten gemeinsam sehr viel bewegen. Ich möchte Sie in dieser Woche einladen, mich auf einer meiner Reisen nach China zu begleiten – wenn auch nur virtuell – und Ihnen zeigen, wie das Material für unsere Kollektionen gewonnen und verarbeitet wird.

Im Mai dieses Jahres ging es für mich von Stuttgart über Istanbul nach China, genauer gesagt nach Peking. Aber auch dies ist nur eine Zwischenstation für mich und so geht es nach einer recht kurzen Nacht am frühen Morgen zum National Airport.

Meine Reiseroute durch China

Ich werde von Pu Yang Li begleitet, er ist Teilhaber einer renommierten Kaschmir-Produktion  in China und  schon seit bald zwanzig Jahren einer unserer wichtigsten Partner. Am Flughafen treffen wir auf Tina Zhou, sie arbeitet mit Pu Yang zusammen  und Wang Wei, den Fotografen, der unsere Reise in Bildern festhalten wird. Wang Wei, der vor kurzem seinen Master Degree gemacht hat, lichtet normalerweise Militärparaden ab. Die quirligen Ziegen werden mit Sicherheit nicht so viel Disziplin zeigen wie Soldaten und stundenlang stillstehen, aber wir sind dennoch gespannt und freuen uns alle sehr auf die kommenden Tage.

Das Team, das mich auf meiner Reise begleitet hat

Nach einem dreistündigen Flug landen wir in Yinchuan, im Nordwesten Chinas. Wenn Sie glauben, wir seien nun am Ziel angekommen, dann irren Sie sich – es liegt eine Autofahrt von etwa zweieinhalb Stunden vor uns. Die Landschaft verändert sich zunehmend und die grüne Vegetation weicht der erdfarbenen Steppe Alashan. Die Alashan ist ein Teilgebiet der Wüste Gobi und liegt im Westen der Inneren Mongolei. Ihr mongolischer Name bedeutet in der Übersetzung „Reichtum“ und „Schönheit“ und tatsächlich hat diese Region wie ich finde trotz der Kargheit etwas Wunderschönes und vor allem Überraschendes.

Wunderbare Eindrücke bei der Fahrt durch die Alashan-Wüste

So sind wir auf unserem Weg am Moon Lake vorbeigekommen, einem der etwa 100 Seen in der Alashan-Wüste. Der See hat uns gezeigt, wie überraschend abwechslungsreich auch eine Wüste sein kann. Auch die unterschiedlichen Temperaturen, die in der Alashan herrschen, sind fast nicht zu glauben… Während im Sommer ohne Probleme an die 50 Grad Celsius erreicht werden, kann im Winter die Temperatur auch schon mal auf minus 50 Grad Celsius fallen. Sie können sich mit Sicherheit vorstellen, dass solche Temperaturen wenig einladend sind und daher leben in der Alashan auch eher wenig Menschen.

Den Kaschmir-Ziegen machen die Bedingungen eher wenig aus, im Gegenteil: die klimatischen Voraussetzungen helfen sogar noch mit, dass die Wolle die höchste Qualitätsstufe erreichen kann. Etwa 70% der geschätzten 80 Millionen Kaschmir-Ziegen, die es weltweit gibt, leben in der Inneren Mongolei und sind somit Lieferanten der wertvollen Rohfaser.

Aufgrund der starken Temperaturschwankungen ist das Unterhaar der Ziegen, Duvet genannt, besonders fein und weich. Der Durchmesser der Fasern wird in Micron gemessen und stellt DAS Qualitätsmerkmal schlechthin dar. Feinheiten bis zu 16 oder17 Micron gelten als normal und sind weitläufig auf dem Markt zu finden. Für unsere hochwertige Mode verwenden wir bei PETER HAHN lediglich sehr feine Fasern mit ca. 14,5 bis maximal 15,4 Micron. Damit verwenden wir eine der feinsten Qualitäten, wir nennen diese A-Grade Cashmere.

Aber kommen wir zurück zu unserer Reise – wir befinden uns in der Alashan, es ist Mai 2018 und ein leichter Wind macht die 22 Grad Celsius sehr angenehm. Irgendwann kommen wir in Bayan Hot an, einer kleinen Stadt nordwestlich der Helan-Mountains, die man auch Alashan-Mountains nennt. Das Bild, dass sich uns auf der Fahrt geboten hat – außer uns keine anderen Menschen – ist auch hier zu finden, wir sind die einzigen Gäste in dem kleinen Hotel in der Stadt. Wir nutzen die Zeit und besuchen am Abend eine eindrucksvolle buddhistische Tempelanlage.

Beeindruckende Tempel

Da wir unsere Reise am folgenden Tag früh morgens fortsetzen möchten, ist es anschließend Zeit sich ins Bett zu begeben und schlafenzugehen. Lesen Sie in unserem nächsten Beitrag, wie meine Geduld auf eine harte Probe gestellt wird und ich endlich die Kaschmir-Ziegen zu sehen bekomme.