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Ein ganzes Land trägt Schwarz: Thailand im Ausnahmezustand

Meine Arbeit bringt mich immer wieder in die verschiedensten Länder – denn Sozialstandards sollte man nicht nur vom Schreibtisch aus überwachen. Deshalb sind Besuche bei den Lieferanten vor Ort ein wichtiger Teil meiner Arbeit. Im Dialog mit den langjährigen Partnern kann ich vieles direkt klären. Und bei einem Rundgang durch die Fabrik lerne ich mehr über die Gegebenheiten vor Ort als beim Lesen von Audit-Berichten. Diese sind selbstverständlich auch wichtig, aber das eine geht nur mit dem anderen.

Ein ganzes Land trauert

Im Oktober war ich also auf Geschäftsreise in Bangkok, Thailand.

Dieses Mal war die Reise aber anders  als sonst. Als ich in Bangkok ankam, war wenige Tage zuvor der König gestorben. Das Land befand sich im emotionalen Ausnahmezustand. Viele unserer Lieferanten sprachen davon, dass es sich anfühlt, als ob ihr Vater gestorben sei. Ich habe noch nie so eine Art von Volkstrauer erlebt – überwältigend. Überall – in allen Hotels und Einkaufszentren, auf Werbebannern und an internationalen Botschaften – war die Trauer zu sehen: Porträts des Königs, die mit schwarzen und weißen Farben umhüllt waren. Überall lagen Kondolenzbücher aus. Es gab kaum noch schwarze und weiße Kleidung zu kaufen. Selbst die Schaufensterpuppen trugen nur noch schwarz und weiß. Überall wurden Trauerschleifen gebastelt – auch bei unserem Lieferanten. Ehe ich mich versehen konnte, hatte auch ich eine Trauerschleife an meiner Bluse und fühlte mich schon fast wie ein trauernder Thai.

Warum Sozialstandards so wichtig sind

Neben Fabrikbesuchen und Gesprächen habe ich auch einen Workshop mit unseren Lieferanten zum Thema Nachhaltigkeit durchgeführt. Hierbei vermittle ich unsere Peter Hahn Werte an die Lieferanten und warum das Thema Sozialstandards uns so wichtig ist. Einer unserer Grundwert ist der respektvolle und achtsame Umgang untereinander und mit unseren Partnern – und dass unsere Partner ebenso respektvoll und achtsam mit ihren Mitarbeitern umgehen. Das ist die Grundvoraussetzung, um Sozialstandards einzuhalten.

Auch geht es um konkrete Hilfestellungen für die Fabriken: wie bereite ich mich auf ein Sozial-Audit vor, was sind die Anforderungen, wo finde ich die Dokumente in Landessprache, wie kann ich mich für weiterführende Workshops bei der BSCI (Business Social Compliance Initiative) anmelden etc. Denn uns ist nicht nur die Überprüfung der Situation in den Fabriken wichtig, sondern auch die langfristige Weiterbildung der Mitarbeiter.

Jeder lernt vom anderen

Nur so können sich Dinge dauerhaft ändern und unsere Lieferanten können die gewonnen Erkenntnisse an ihre Lieferanten weitergeben. So entsteht ein toller Schneeballeffekt und ich fahre mit dem guten Gefühl nach Hause, dass wir alle wieder viel voneinander gelernt haben und ich diese positiven Erfahrungen hier mit Ihnen teilen kann.

Bis zum nächsten Mal hier im Blog, Ihre Patrizia Strupp