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S.O.S. Tipps für Allergiker

Wenn die Natur nach und nach aus dem Winterschlaf erwacht und sich die ersten Blüten zeigen, beginnt für Allergiker eine echte Leidenszeit. Ganz schön gemein!

Ich dachte immer, dass dieser Kelch komplett an mir vorbeigegangen wäre – bis ich vor 3 Jahren in den Osterferien in Südfrankreich auf einmal richtig gereizte Augen hatte. Was sich für mich zunächst wie eine Bindehautentzündung anfühlte, war, wie sich herausstellte, eine ausgewachsene Allergie gegen Platanen. Genauso unterschiedlich wie die Auslöser sind auch die Symptome, wie geschwollene Schleimhäute, laufende Nase, juckende Augen, gerötete, juckende oder brennende Haut oder sogar Quaddeln und Ekzeme.

Das ist ja echt reizend!

Eine Allergie ist, wissenschaftlich gesehen, die Überreaktion des körpereigenen Immunsystems auf eigentlich völlig harmlose Umweltstoffe. Die werden nämlich fälschlich als Gefahr für den Organismus eingeschätzt. Beim nächsten Kontakt mit der auslösenden Substanz werden dann Botenstoffe abgesondert und voilà: schon hat man eine Allergie.

Um mal Zahlen zu nennen: Laut neuesten Untersuchungen leidet immerhin sogar jeder dritte Deutsche an an einer Allergie. In den letzten drei Jahrzehnten hat sich die Zahl der Allergiker verdoppelt bis verdreifacht – Tendenz steigend.

Wenn die Haut verrücktspielt

Unsere Haut ist als größtes Organ auch die erste Kontaktstelle nach außen. Und ihre Barriereschicht wirkt als Schutzschild vor äußeren Einflüssen. Wenn sie gestört ist, können allergieauslösende Stoffe eindringen – bei empfindlicher Haut ein echtes Problem. Dermatologen empfehlen in diesem Fall reizlindernde Cremes mit Clever-Inhaltsstoffen, die einem körpereigenen Stoff ähneln, der die Ausschüttung von Entzündungsbotenstoffen hemmt, Juckreiz stoppt und die Haut stärkt (zum Beispiel „Toleriane Ultra“, La Roche-Posay, 40 ml ca. 15, €, Apotheke). Zusätzlich finde ich eine sanfte Massage beim Eincremen immer besonders beruhigend. Dabei tupfe ich meine Tages-Creme (oder Nachtcreme) auf und massiere sie mit geschlossenen Augen ganz sanft mit den Fingerspitzen ein.

Weniger ist mehr!

Ganz wichtig: Zuviel Verschiedenes verträgt die Haut jetzt gar nicht. Alkoholhaltige Gesichtswasser, Peelings, Cremes mit Vitamin E und A meiden, die reizen nur unnötig. Und grundsätzlich sollten Allergiker(innen) eine neue Creme immer zuerst testen, um zu sehen, ob sie sie auch vertragen. Dafür einen Klecks Creme am Unterarm einmassieren. Zeigt sich innerhalb der nächsten Stunden keine Rötung, ist alles o.k.

Auch in Sachen Make-up gilt: gelobt sei, was die Haut nicht aufregt.

Deshalb unbedingt auf Inhaltsstoffe achten. Denn Lidschatten-Pigmente wie Zinkoxid und Titanoxid sind berüchtigte Allergieauslöser. Ideal sind Lidschatten und Mascara, die auf allergieauslösende Pigmente verzichten und entzündungshemmendes Bisabolol aus der Kamille enthalten (zum Beispiel „Respectissime Ombre Douce Lidschatten“, ca. 15 € und „Respectissime Mascara Ultra Doux“, ca. 16 € von La Roche-Posay, Apotheke).

Und statt Grundierung stäube ich seit ein paar Monaten getönten Seidenpuder auf die Haut (von Rosel Heim, ca. 8 €, gibt es leider nur bei der Kosmetikerin). Der kaschiert und mildert Rötungen, spendet Feuchtigkeit, statt auszutrocknen und beruhigt.

Neue Creme erst einmal testen und Tusche für Sensibelchen
Neue Creme erst einmal testen und Tusche für Sensibelchen

Kleine Tipps für zwischendurch

Wenn die Haut heiß und gerötet ist, hilft: Ein dünnes Zellstofftuch oder Küchenpapier mit Thermalwasser (zum Beispiel von Avène, 300 ml ca. 12 €, Apotheke) tränken und aufs Gesicht legen. 10 Minuten im Liegen einwirken lassen. Das Thermalwasser enthält beruhigendes Selen, das auch die Rötung mildert. Anschließend direkt eincremen.

Was zwischendurch echt gut tut und gereizte Haut kühlt: Thermalwasser nach oben in die Luft sprühen und das Gesicht in den herabfallenden Nebel halten.

Für alle, die wie ich unter juckenden, brennenden Augen oder Fremdkörper-Gefühl in den Augen leiden, sind lindernde Augentropfen und eine Sonnenbrille, die vor Licht schützt, die beste S.O.S.-Lösung. Ich schwöre ja auf Natur pur in Sachen Tropfen, weil ich sie ziemlich oft benutze. Alles, was Konservierungsstoffe und Chemie enthält, kommt mir nicht ins Badezimmer (respektive in die Handtasche). Dort habe ich allerdings immer Augentropfen, die mit Sonnenhut (Echinacea pallida) die Abwehrkraft stärken, mit Silber und Quarz Entzündungen hemmen und mit Rosenblütenöl beruhigen und lindern (Wala Echinacea Quarz Comp Augentropfen, 30 x 0,5 ml, ca. 20 €, Apotheke).

Essen mit Relax-Effekt

Auch bei der Ernährung kann man einiges dafür tun, dass Haut und Nerven relaxter werden. Mein Favorit ist Olivenöl, weil es besonders reich an entzündungshemmender Omega-3-Fettsäure ist.

Und ganz wichtig ist natürlich eine ausgewogene Ernährung mit Vitaminen und Mineralstoffen, weil sie die Allergiebeschwerden richtig gut in Schach halten kann.

Denn die sind natürliche Antihistaminika und lindern Allergie-Beschwerden. Magnesium (zum Beispiel in Bananen) reduziert beim Heuschnupfen Niesen, laufende Nase und Augenjucken um ein Drittel. Calcium (zum Beispiel in Milch & Milchprodukten) lindert Hautreizungen. Allergiker leiden übrigens oft unter Zinkmangel, der das Immunsystem lahm legen kann und somit die Bahn frei macht für Allergien. (Zink steckt zum Beispiel in Fleisch und Linsen). Vitamin B6 (zum Beispiel in Pistazien) beruhigt und Vitamin C (zum Beispiel in Orangen, Kiwis, Zitronen) verhindert die Ausschüttung der Allergie-auslösenden Botenstoffe.

Schützen sie ihre Augen und waschen abends die Haare
Schützen sie ihre Augen und waschen abends die Haare

Einfach mal richtig atmen wirkt Wunder

Mein Liebling, wenn die Nerven durch Juckreiz etc. aufgepeitscht sind, ist diese Atemtechnik, weil ich sie überall auch unterwegs machen kann – zum Beispiel im Auto an der Ampel oder beim Treppensteigen oder Schreiben 😉 Tief durch die Nase atmen und dabei bis vier zählen. Den Atem anhalten und bis sieben zählen. Dann kräftig durch den Mund ausatmen, als würde man einen Luftballon aufblasen, dabei bis acht zählen. Das Ganze viermal wiederholen und schon fühl ich mich viel entspannter.

Für süße Träume

Vor dem Schlafengehen mache ich bei Allergie-Stress diese Yoga-Übung:

Dafür das linke Bein im Vierfüßlerstand nach vorn zwischen die Hände bringen, bis der linke Fuß vor dem rechten Oberschenkel liegt. Das rechte Bein ausstrecken. Den Rücken aufrichten, dabei mit den Händen abstützen und tief einatmen. Dann ausatmen, die Arme beugen und den Oberkörper absenken, bis die Stirn den Boden berührt. Tief durchatmen. Der Rücken wird dabei immer länger und flacher. Mit den Händen und Armen langsam nach vorn krabbeln und die Dehnung spüren. Dann aufrichten und die Seiten wechseln. Das hört sich vielleicht etwas anstrengend an – aber ganz ehrlich, es beruhigt wunderbar und hilft mir, runterzukommen.

Und danach dusche ich und wasche mir die Haare, weil erwiesen ist, dass Allergiker viel besser schlafen, wenn alle Pollen und reizende Partikel, die sich tagsüber auf Haut und in den Haaren angesammelt haben, entfernt werden – klar, das macht Sinn! Übrigens empfehlen Experten, Kleidung, an der natürlich auch Pollen haften können, außerhalb des Schlafzimmers auszuziehen und auch dort zu lassen. Alles für sweet dreams!!

Yoga beruhigt gereizte Nerven & Haut
Yoga beruhigt gereizte Nerven & Haut

Wie schon der Naturforscher und Schriftsteller Wilhem von Humboldt sagte:

Der körperliche Zustand hängt sehr viel von der Seele ab. Man suche sich vor allem zu erheitern und von allen Seiten zu beruhigen“.

Wilhelm von Humboldt

Und ehrlich, das ist ein guter Tipp, denn egal, ob Atemübung & Co., ein Film oder Buch, die uns zum Lachen bringen und ablenken oder Musik, die uns träumen lässt – gönnen wir uns alles, was den Herzschlag entschleunigt und unsere Nerven streichelt.

In dem Sinne – ganz entspannte, liebe Grüße von

Ute

Photo-Credit: Fotos: www.ralph-hartmann.com