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Geschichten aus den großen Basaren des Orients

Das Schönste, was einem als Besucher eines Basars passieren kann, ist, an einem der zahlreichen Eingangstore ausgesetzt zu werden, mit der Aufgabe, einmal quer durch den Basar zu laufen. Was sich leicht anhört, ist in dem Wirrwarr der unzähligen Gassen, im bunten Labyrinth aus Lichtern, Teppichen und Tüchern, eine Herkulesaufgabe. Ungeahnte, dem modernen Menschen abhanden gekommene Sinne tauchen aus dem Unterbewusstsein wieder auf und helfen, die mannigfaltigen olfaktorischen Eindrücke zu sortieren. Ein kühler Windzug verweht den Duft von Kardamom, das süße Aroma von Zimt und Vanille mischt sich darunter. Die Nase übernimmt die Navigation, der Bauch entscheidet, in welche Richtung es geht.

Basare sind so alt wie der Ackerbau selbst. Schon immer hatten Menschen Marktplätze, um ihre Waren zu tauschen. Und so entwickelten sich im Orient Basare zu pulsierenden Zentren. Jede bedeutende Stadt beheimatet wenigstens ein Dutzend dieser Warentempel.

Der große Basar von Teheran

Teheran ist eine über 1000 Jahre alte Stadt und eine wichtige Warendrehscheibe im Orient. Unter allen Basaren der Welt ist der in der iranischen Hauptstadt der größte und beherbergt unter historischen Dächern neben unzähligen Händlern mehrere Banken, Moscheen und sogar Gasthäuser. Einzigartig: der große Basar von Teheran ist eine Ansammlung vieler kleiner Basare. Auf einer Strecke von unglaublichen 10 Kilometern gibt es den Teppich-Basar, den Lebensmittel-Basar, den Stoff-Basar, den Gewürz-Basar – und noch viele weitere Gassen und Innenhöfe. Der große Basar hat hier, im Gegensatz zu denen in Isfahan und Shiraz, seine ursprüngliche Bedeutung behalten. Hierher kommen die iranischen Mütter, um die Aussteuer ihrer Tochter zu kaufen, die Händler aus dem ganzen Land, um ihre Waren anzubieten, und die Alten, um im Kaffeehaus den neusten Klatsch und Tratsch auszutauschen. Hier sitzen sie dann am Springbrunnen und beobachten das bunte Treiben. Der Brunnen spendet wohltuende Kühle, während der Kellner akrobatisch das Teetablett zu ihnen trägt. Und wenn die schallenden Rufe des Muezzins das immerwährende Stimmengewirr übertönen, wird es Zeit, in die Shah-Moschee – natürlich Teil des Basars – zu gehen und anschließend den Heimweg anzutreten. Die Shah-Moschee ist in Mitten des Trubels eine Oase der Ruhe, für Touristen wie auch für Einheimische. Bei einem Rundgang durch den Basars von Teheran darf eine Besichtigung dieses orientalischen Schmuckstücks nicht fehlen – genauso wie der Erwerb eines Päckchens echter Safran, den es hier zu bezahlbaren Preisen und in hochwertiger Qualität gibt.

Der große Basar in Istanbul

Kapalı Çarşı nennen ihn die Türken und sie lieben ihren großen Basar genauso wie die vielen Touristen. Seit seiner Eröffnung im 15. Jahrhundert hat sich hier nicht viel verändern – außer dass er ständig erweitert wurde. Durch 20 Eingangstore besuchen täglich eine halbe Million Menschen die alten Mauern und engen Gassen – Touristen genauso wie Einheimische. Über 3000 Händler bieten hier, geschützt vor Wind und Wetter, ihre Waren an und es gibt wirklich nichts, was Sie hier nicht finden können: antike Lampen genauso wie neues Kochgeschirr, exotische Gewürze, getrocknete Früchte und süße Köstlichkeiten, moderne Bekleidung und historische Gewänder. Und für alles gilt: Es muss kräftig gehandelt werden – das gehört in jedem Basar zum guten Ton. Und je mehr Geld im Spiel ist, desto länger müssen sich die Verhandlungen hinziehen. Bringen Sie also viel Zeit und Geduld mit, wenn Sie ein wahres Orient-Schnäppchen machen wollen. Kurios ist am großen Basar von Istanbul, dass er der einzige bedeutende Basar ist, der sonntags seine Tore schließt – eine Übereinkunft, die die Gewerkschaft der Händler erst vor knapp drei Jahren durchsetzen konnte, nachdem der Basar über 500 Jahre täglich geöffnet war. Früher wie auch heute packen um 18 Uhr die Händler ihre Auslagen ein und verriegeln ihre Verkaufsalkoven mit kunstvollen, gusseisernen Gittern. Marktfeger kehren den Abfall des Tages zusammen und bitten die letzten Besucher freundlich zum Ausgang – der große Basar schließt seine Tore.

Djemaa el Fna und die Souk in Marrakesch

Marrakesch ist eine Stadt wie aus einem Märchen aus Tausendundeiner Nacht. Der Marktplatz Djemaa el Fna ist anders als die anderen Basare nicht überdacht und eigentlich viel mehr Bühne für Gaukler, Affendompteure, Schlangenbeschwörer und fahrendes Volk als eine Drehscheibe des Handels. Diese Besonderheit würdigte die UNESCO im Jahre 2001, indem sie den Djemaa el Fna in die Liste der Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit aufnahm. Jeden Tag schwingt Berbermusik über den Platz, Tanzgruppen führen folkloristische Tänze auf, Akrobaten fesseln Besucher mit halsbrecherischen Vorführungen – und geht die brütend heiße Sonne erst mal unter, legen alle noch einen Zahn zu.

Nördlich des Djemaa el Fna sind die Souks der Stadt. Die zahllosen Gassen, Durchgänge und Gewölbe bilden ein Labyrinth voller Waren, Werkstätten und Teehäuser. Jede Zunft hat ihre eigene Gasse. Hier hämmern die Kesselflicker, dort waschen die Wollfärber. Die Gasse der Gewürzhändler erschlägt Sie mit exotischen Düften, während Sie in der Straße der Tischler Ihr eigenes Wort kaum verstehen können. Wenn Sie es allerdings lieber ruhig mögen: Die Zeit am Morgen ist die schönste. Wenn die Händler ihre Waren in Ruhe sortieren, ihre Auslage prüfen und die Luft in den engen Gassen noch frisch ist von der kühlen Nacht. Bevor das wilde Treiben beginnt, können Sie mit einem entspannten Händler leicht ins Gespräch kommen. Trinken Sie gemütlich mit ihm einen Tee, plaudern Sie. Wer weiß, vielleicht gibt er Ihnen dann einen märchenhaften Rabatt auf Ihren Einkauf im Land aus Tausendundeiner Nacht.