01.Juni 2015

Seide richtig waschen

Seide richtig waschen (©abbesses/iStock/GettyImages)

Nichts fühlt sich so toll auf der Haut an wie sie – kein Wunder, denn durch ihre besonders feine, glatte Faserstruktur fällt Seide auch so geschmeidig und weich wie kein anderer Stoff. Außerdem hat sie die beste Hautverträglichkeit. Allerdings ist Seide auch eine ziemlich heikle Schönheit. Damit Sie möglichst lange etwas von Ihrem Seiden-Schätzchen haben sind hier die besten Tipps zur perfekten Pflege – die natürlich so sanft wie möglich sein sollte.

Schonwäsche für Stoff-Sensibelchen

Natürlich kann man Seide auch einfach chemisch reinigen lassen, um nichts verkehrt zu machen. Ich persönlich möchte aber nicht auf den Frisch-gewaschen-Duft verzichten. Deshalb setze ich auf Handwäsche. Allerdings gibt es Seiden-Stoffe, wie z.B. Dupioni-Seide, die bei Wasserkontakt eingehen und deshalb eine Trockenreinigung brauchen.

Das richtige Waschmittel

Seide ist eine Eiweiß-Faser und wird durch alkalische Waschmittel oberflächlich angelöst und dadurch zuerst rauh und matt – und nach mehreren Wäschen schließlich brüchig. Deshalb benutzt man am besten ein spezielles Seiden-Waschmittel (z.B. Tenestar oder „amytis“ von Speick). Es enthält milde, chemisch neutrale Tenside und verzichtet auf alle Inhaltsstoffe, die die Seidenfaser schädigen könnten. Wollwaschmittel sind nicht so ideal, weil sie rückfettende Substanzen enthalten. Und die lassen die Seide leicht speckig und unansehnlich aussehen. Auf keinen Fall sollte man Waschmittel mit Bleich-Zusatz benutzen, weil der die Farbe stark verblassen lässt. Viele Waschmittel enthalten außerdem Enzyme zur Fleck-Entfernung. Diese Enzyme lösen allerdings auch die Eiweißstruktur der Seide mit auf. Milde, pH-neutrale Shampoos sind nur dann ein guter Seidenwaschmittel-Ersatz, wenn sie weder rückfettende Substanzen noch Farbstoffe oder Parfum enthalten.

Handwäsche – ohne Rubbeln und Reiben!

Handwäsche – ohne Rubbeln und Reiben (©Rasulovs/iStock/GettyImages)

Dafür lässt man am besten maximal 30 Grad warmes Wasser in eine Plastikwanne oder ein Handwaschbecken und löst einen Klecks Seiden-Waschmittel darin auf, indem man ihn ein bisschen mit der Hand aufwirbelt, um ihn gut zu verteilen.

Den Stoff hinein legen und drei, höchstens fünf Minuten lang darin liegen lassen. Dabei ab und zu etwas hin und her bewegen. Die Lauge ausgießen. Kaltes Wasser einlaufen lassen und die Seide darin ausspülen. Manche Seiden-Hersteller schwören auf die Zugabe von einem Teelöffel Wein-Essig, um Seifen- und Kalkrückstände zu entfernen, aufgerauhte Fasern zu glätten, die Fasern zu festigen und das Ausbleichen der Farbe zu verhindern. Weichspüler ist tabu, weil er Seide leicht schmierig macht.

Ab in die Waschmaschine

Einige meiner Seiden-Teile dürfen sogar in die Waschmaschine. Ob das erlaubt ist, steht in der Waschanleitung im Etikett. Allerdings maximal bei 30°C und in einem Wäschesack, der zwar Wasser und Waschmittel eindringen lässt, aber vor dem Kontakt mit der Trommel schützt. Neuere Geräte haben übrigens ein extra Seiden-Programm (z. B. Miele).

Trocken auf die sanfte Art

Danach wird der nasse Stoff ganz vorsichtig ausgedrückt und in ein trockenes Handtuch eingerollt. Ich wiederhole das mit einem zweiten Handtuch und hänge das Seidenteil dann auf einen Formbügel. Auf keinen Fall sollte man Seide auswringen, weil sie im nassen Zustand besonders empfindlich ist und die Fasern brechen können. Und bloß nicht klitschnass aufhängen, weil sich nasse, schwere Seide leicht verzieht. Seiden-Shirts und Strickpullover nur leicht in Form ziehen und liegend trocknen.

In der Sonne sollte man Seide nicht trocknen. Die mag sie nämlich überhaupt nicht, weil sie durch intensive UV-Strahlen leicht ihren Glanz verliert und brüchig wird. Sauerstoff dagegen liebt sie. Deshalb ist es ideal, wenn man sie draußen bei bedecktem Himmel im Schatten trocknen lässt.

So geht’s glatt

Immer von der Rückseite bügeln. Der Stoff sollte noch leicht feucht sein, damit Knitterfalten sich leicht glattbügeln lassen. Auf keinen Fall mit Wasser besprengen – das gibt ganz leicht Flecken. Falls der Stoff schon zu trocken ist, legt man am besten ein feuchtes Tuch drüber beim Bügeln. Was Seide auch ganz und gar nicht mag: ein zu heißes Bügeleisen oder Dampfbügeleisen. Ihre Eiweißverbindung ähnelt dem unserer Haare – und die reagieren auf Hitze ja auch leicht mit Spliss.

Ach Du Schreck – ein Fleck!

Übrigens sollte man Seide niemals mit Parfum oder Deo besprühen. Das gibt Flecken, die man kaum rausbekommt. Apropos Flecken: Beim Versuch, sie mit Wasser zu entfernen, quillt die Faser punktuell auf, der Schmutz dringt noch tiefer ein und bei dunklen Stoffen entstehen Wasserränder. Und beim Reiben kann die empfindliche Faser spleißen. Deshalb gilt: am besten nur trocken abtupfen. Bei Fettflecken empfehlen Profis Waschbenzin. Einen Spritzer auf den Fleck geben und mit einem Tuch vorsichtig abtupfen. Bevor man eine Brosche anbringt, sollte man die Nadel kurz mit Alkohol abwischen, um Einstich-Flecken zu vermeiden.

Tipp gegen Knitterfalten

Tipp gegen Knitterfalten (©Tarzhanova/iStock/GettyImages)

Das Kleidungsstück auf einem Bügel in die feuchte Nachtluft hängen. Alternative: Kurz die heiße Dusche aufdrehen und das knitterige Teil über Nacht hängen lassen. Die Luftfeuchtigkeit wirkt wie ein Bügeleisen.

Wer noch mehr wissen möchte über den Stoff aus dem Modeträume gemacht sind, findet viele interessante Infos im Blog-Text von Gianni De Palo unter

https://www.peterhahn.de/stilwelten/edle-seide-die-geschichte-von-der-raupe-dem-verpuppen-und-wie-seidenstoff-entsteht/