Lebenstraum Zieleinlauf beim Berliner Marathon
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„Sicher, dass du diese Strapaze schaffst?“ Diesen Satz hörte Magda immer wieder. Sie antwortete dann: „Ich werde es jedenfalls probieren“, aber ihr Lächeln sagte: und ob ich das schaffe. Die Strapaze, das war ein Marathonlauf. 42 Kilometer, die in den Füßen brennen. Eine Herausforderung auch für junge Leute. Magda war aber schon 65 Jahre alt und der Marathon ihr lange gehegter Traum. „Beim Laufen fühle ich mich gut“, sagt die Hildesheimerin.

Gute Schuhe sollten es für die 42 Kilometer auf jeden Fall sein
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„Ich war schon früher oft laufen, um mich fit zu halten. Aber das ist irgendwann eingeschlafen“, erzählt Magda. Seitdem ging sie nur noch gelegentlich zum Schwimmen. Vor sieben Jahren empfahl ihr dann der Arzt mehr Bewegung. Magda probierte es zunächst mit Nordic Walking in der Gruppe mit anderen Frauen, aber das war ihr nicht fordernd genug. Sie joggte. Am Anfang zweimal die Woche morgens. Langsam, aber mit ordentlich Kilometern. Bald wurde es häufiger und die Strecken länger. „Du machst so viel – bald kannst du einen Marathon laufen“, meinten ihre Freunde im Scherz. Und Magda dachte sich: „Ja, warum nicht?“ Der Plan reifte, beim Berlin-Marathon mitzulaufen. Ein riesiges Ereignis mit 30.000 Teilnehmern. Magda wollte wissen, ob ihr Körper diese Anstrengung noch bewältigen konnte. Sie erstellte sich einen Trainingsplan.

Auch ihre Ernährung hat Magda für ihren Traum umgestellt
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„Ich wurde ganz toll von meinem Sohn und meiner Tochter unterstützt“, freut sich die Hildesheimerin. „Sie rieten mir immer gut zu, aber ermahnten mich auch daran, es nicht zu schnell anzugehen. Mein Arzt war zufrieden mit meinen Werten. Die Fortschritte waren toll. Am Anfang ist die Überwindung das Wichtigste, aber irgendwann lief ich fast wie von selbst. Und mein Körper machte mir wieder eine Freude. Ich merkte, dass ich mehr Energie im Alltag hatte. Ein paar Hürden musste ich überwinden, an die ich nicht dachte. Zum Beispiel scheuerten meine alten Sportsachen nach fünfzehn Kilometern so auf der Haut. Und die Sohlen gingen langsam aus den Schuhen. Ich brauchte richtige Laufkleidung, wie ein echter Marathonläufer.“ Magda lacht. „Meine Ernährung stellte ich auch ein bisschen um. Einige neue Rezepte ausprobiert, die gut zum Training passen sollen. Ich habe mit meinem Sohn zusammen vor seinem Rechner gesessen und er hat mir schöne Internetseiten mit Fitness-Mahlzeiten gezeigt. Besonders gut gefielen mir weiße Bohnen aus der Pfanne mit Karotten, Zucchini, Paprika, Kurkuma, Basilikum. Es gibt wirklich ein paar leckere vegane Gerichte.“

Nachdem sie schon mehrere Halbmarathons erfolgreich absolviert und ihr Training ausgeweitet hatte, war der große Tag da. An einem wolkigen Septembermorgen startete der Berlin-Marathon auf der Straße des 17. Juni.

Viel Wasser und viele Kilometer später
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„Mein Junge hat mich hingebracht. Er war aufgeregter als ich. Da unter Zehntausenden zu stehen mit meiner Läufernummer auf dem Rücken, das war schon etwas Besonderes. Einen kurzen Moment wurde mir mulmig, ob ich wirklich gut vorbereitet war. Aber sobald das Startsignal gegeben war, lief ich einfach. Und hörte nicht mehr auf. Ich hatte mein Tempo und war schon bald weit hinten im Feld. Aber es ging voran und ich gab nicht auf. Die Gesichter der Zuschauer waren immer so anerkennend, wenn sie mich sahen. Es gab nicht viele Teilnehmer in meinem Alter. Ich wollte gerne zurücklächeln, aber ich merkte, dass all meine Konzentration in den Beinen und den Armen war, ich lief und lief. Dann endlich, nach vielen Kilometern und Wasserflaschen, war es so weit. Der Zieleinlauf. Vor mir wurde das Brandenburger Tor immer größer. In die Erschöpfung mischte sich jetzt ein großes Glücksgefühl. Mit meinen letzten Schritten schleppte ich mich über die Ziellinie, Zuschauer klatschten. Ich hatte es geschafft. Mein Sohn sagte immer wieder, wie großartig ich war. Ich konnte erst mal gar nichts sagen, meine Haut war nass und kalt, mein Knie schmerzte böse, aber in mir fühlte es sich warm an. Ich hatte mir diesen Traum erfüllt.“

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